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Visionen

Ich weiß nicht, wie das im Leben anderer Menschen ist, aber ich habe Visionen für mein Leben. In verschiedenen Bereichen meines Lebens reifen Gedanken in mir heran, die ich schon fast bildhaft sehen kann, wie ein bestimmter Bereich meiner Zukunft aussehen wird. Und da ich so sicher weiß, dass dies auf mich zukommt, kann ich viele Entscheidungen einfacher treffen; je nach dem, ob sie meiner Vision entsprechen. Natürlich zweifle ich ab und zu an meinen Visionen, aber wenn sie dann wahr werden, dann weiß ich, dass sie gestimmt haben.

Eine meiner Visionen war zum Beispiel war, dass ich Mathematik studieren würde. Dies war zum damaligen Zeitpunkt (ca. erste Klasse) so weit aus meiner Reichweite, dass es sehr unwahrscheinlich war, dass es je dazu kommen würde. Ich kannte damals niemanden, der je überhaupt studiert hatte. Meine beiden Brüder gingen auf die Realschule und hatten dadurch den Weg zum Studium bereits weitgehend verbaut. Bei uns auf dem Land war es tatsächlich noch üblich, die Kinder auf eine Schule zu empfehlen, die dem Bildungsgrad der Eltern entsprach. Nur weil ich so fest davon überzeugt war, dass ich Mathematik studieren müsse, hatte ich den Mut und die Kraft dafür zu kämpfen, auf das Gymnasium empfohlen zu werden.

Als ich in die neunte oder zehnte Klasse kam meinten meine Eltern, ob ich nicht lieber abgehen wolle und eine Lehre machen. Sie schickten mich sogar zum Arbeitsamt, damit ich mich über Jobs informieren könne. Auch wurde eine Weile diskutiert, ob es nicht beruflich besser sei, wenn ich auf das technische Gymnasium wechsle, was ich aber alles ablehnte.

Zuletzt als es um das Einschreiben ging, da waren die Informatiker schneller mit der Antwort, und da eine Woche später immer noch keine Antwort der Mathematiker da war, schrieb ich mich erst für die Informatik ein (sicher ist sicher). Als dann später die Studienplatzzusage der Mathematiker kam, habe ich mich sofort umgeschrieben. So studierte ich also Mathematik und dachte mir des öfteren, was ich denn hier mache. Obwohl ich mich oft verloren fühlte und nicht wusste, was das alles soll und wozu das gut sei, habe ich auf meine Intuition vertraut, mich immer pünktlich zu den Prüfungen angemeldet und alle auch teilgenommen und - oh Wunder - bestanden. Erst im Nachhinein sehe ich, wie wichtig diese Zeit für mich war, wie viel ich dabei tatsächlich für das Leben gelernt habe und wie dies ein notwendiger Meilenstein in meinem Leben war.

Eine weitere Vision war meine Wohnung. Ich bin ja ein sehr genügsamer Mensch und brauche nicht viel mehr als Wärme, eine Badewanne und einen Kühlschrank und Backofen und etwas grün, um mich wohl zu fühlen. Ich hatte mir immer geschworen, dass meine erste Wohnung direkt neben meinem Arbeitsplatz sein muss, da ich mich mein ganzes Studium immer ärgerte, zwei Stunden Fahrzeit am Tag zu haben.

Als ich nach Düsseldorf zog hatte ich keine Zeit, mich nach einer Wohnung umzusehen und wohnte erst mal in Untermiete. Ich hatte meinem Vermieter gesagt, dass ich nur ein paar Wochen bleiben würde und so schaute er sich nach einem Nachmieter um und gab mir eines Tages Bescheid, er habe jemanden. Ups, und ich hatte noch keine Wohnung. Ich bekam zwar verschiedene Wohnungen angeboten, doch keine entsprach meinen Vorstellungen. Trotzdem nahm ich keine der Wohnungen, denn ich wusste, dass noch etwas besseres auf mich wartete. Und das Wunder geschah. Ich fand eine Wohnung 200 Meter von der Arbeit weg mit Blick auf den Rhein und Naherholungsgebiet vor der Nase. Als ich die Wohnung betrat wusste ich sofort, dass es die richtige war. Sie hatte viel Charme und Charakter. Sie war so anders als alle Wohnungen, die ich bisher gesehen hatte und war einfach die Richtige für mich. Obwohl es viele andere Bewerber gab, bekam ich die Wohnung, weil ich bereit war, sie sofort zu übernehmen. So hatte ich von einem Tag auf den anderen meine absolute Traumwohnung.

Mit meinem ersten richtigen Job war es genauso. Ich habe nach dem Studium freiberuflich gearbeitet, um mir Zeit zu lassen bei der Jobsuche. Obwohl ich viele Arbeitsverträge auf dem Schreibtisch liegen hatte, unterschrieb ich keinen, da ich immer wusste, dass noch was besseres kommen würde. Der Job fiel mir mehr oder weniger in den Schoß. Ich habe mich nie so richtig beworben dafür, sondern bei einer Jobmesse jemandem meine Unterlagen in die Hand gedrückt. Ein paar Tage später wurde ich von AMS kontaktiert, telefoninterviewt und nach Düsseldorf (wo war das denn?) eingeladen. Als ich dort hin kam, war alles irgendwie anders, als bei anderen Firmen. Ich fühle von der ersten Sekunde an, dass es diese Firma war, auf die ich gewartet hatte. Ich zögerte nicht, sofort eine Zusage zu machen und zwei Tage später hatte ich den unterschriebenen Vertrag in der Hand.

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Letztes Update 17.04.2007
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